
BER-Madeira,18.09.2024
- ulibrosch

- 18. Sept. 2024
- 3 Min. Lesezeit

Es geht wieder loooos ! 3 Uhr aufgestanden und jetzt sitze ich 05:15 Uhr in Berlins aufwendigstem Bauobjekt in meinem Lieblingslokal hier, einer Dependance der „Ständigen Vertretung“ mit einem schönen Hipster Latte macchiato, beobachtet von neidischen Blicken Erich Honneckers und Willy Brandts von dekorativen historischen schwarz-weiß Fotoaufnahmen.
Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Mid-Zwanziger in Jogginghosen, die in den 15 Minuten, die ich hier sitze, bereits beim 3 Bier(pro Jogginghose) sind. Die Lautstärke steigt exponentiell zur bestellten Glasmenge. Die Herren dürfen ohne Ihre Muddies ganz allein im Rudel nach Mallorca fliegen- der Klassiker ! Ich drücke Ihnen die Daumen, dass sie in Ihren Zustand schon deutlich erhöhter Trunkenheit überhaupt zum boarding zugelassen werden….Ich sage da nur getreu meiner Oma Hoppe: Lobet den Herren !
Bei mir geht es ruhiger zu. Ich fliege nach Madeira, die Blumeninsel im Atlantik. Es wird ja oft behauptet, dies sei eine so richtige Oma-Insel (wenn man das mit Mallorca vergleicht, stimmt das sicher), aber es ist eigentlich mit nichten so. Ich war schon 2x da, aber noch nie zum Tauchen.
Der Atlantik ist im September noch schön warm und das schien für mich perfekt zum schwimmen und tauchen. Es gibt dort einen Meeresnationalpark und riesige Zackenbarsche, die, ob der wenigen Taucher, so gar nicht scheu sein sollen. Auf die hab ich es abgesehen, denn die haben immer so einen herrlichen Schmollmund und große glasige Augen. Also Daumen gedrückt, dass ich so einen ganz nah vor meine Linse bekomme.
Ich habe mir eine schöne Unterkunft direkt auf der Klippe gesucht, die eine mehrfach prämierte Tauchbasis angeschlossen hat und direkt an diesem Nationalpark liegt, so dass man von da direkt lostauchen kann. Es gibt unmittelbar vor der Tauchbasis mehrere tolle Tauchspots, so dass man sich einfach nur von der Klippe fallen läßt und los gehts. Klingt perfekt, mal gucken, ob das in der Realität auch so ist. Ich bin schon bissi aufgeregt.
Madeira, ca 750 km westlich von Marokko und mitten im Atlantik, ist mit einem tollen Klima gesegnet und ein Eldorado für Wanderer (das ist eine andere Spezies) und Naturliebhaber. Es gibt wunderbare botanische Gärten hier, die Pflanzenvielfalt und Üppigkeit ist fantastisch.
Die Insel gehört zu Portugal, ist aber autonom. Der wohl aktuell berühmteste Sohn der Insel ist CR7 ( das klingt immer wie R2D2 von Star Wars), Christiano Ronaldo, der dort geboren wurde, abgöttisch verehrt wird und gleich am Flughafenausgang mit einer Büste ( die irgendwie nicht so wirklich nach ihm aussieht) die Besucher begrüßt.
Davor lebten hier noch Christopher Kolumbus mit Familie und Kaiserin Sissi erholte sich von einem Lungenleiden (hoffen wir mal es war keine Tuberkulose, wo sie doch eh schon so dünn war). Scott und Amundsen, die berühmten Antarktisforscher ankerten hier, Churchill gab sich dem Malen hin und Gustaf Gründgens ( „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“— die älteren Semester kennen den Gassenhauer- dies meint ein populäres Lied und keinen mixed martial arts Kämpfer) hatte ein Ferienhaus hier.
Ich war hier schon mal allein und vor 10 Jahren zusammen mit meiner Schwester Susi, die sich in Begleitung ihrer nicht Berg- und Wander-affinen Schwester beim Abstieg mit mir, auf einer ansonsten wunderschönen Wanderung an einem hoch über dem Meer liegenden Kliff (wir nennen es seither den „ Schicksalsberg“) den Knöchel gebrochen hatte.
Ich denke, für meinen Teil, werde ich diese Art der sportlichen Betätigung auf ein Minimum beschränken und mein Sportpensum im Wasser absolvieren.
Der Flug von Frankfurt war kurz aber nervig. Mittwoch früh um 7 Uhr reisen fast nur mittelalte langweilige Anzugmänner. Die sind immer super busy und kaum sitzen sie in ihrem Sitz, okkupieren sie nicht nur beide Armlehnen, sondern müssen ihre Ellenbogen so weit darüberhinaus schieben, als seien sie flügge Anzug- Adler, die zum ersten mal versuchen sich aus dem Nest in die Lüfte zu stürzen. Sooo nervig! Dann wird die größte Tageszeitung, die es im deutschen Raum gibt, ausgepackt und komplett ausgefaltet gelesen, völlig egal, ob der Sitznachbar nun zusammengefaltet wie die Yogafigur der „singenden Grille“ in seinem Sitz klemmt und gar nix mehr anderes sehen kann. Ich empfinde das, wie auch lautstarkes Handy telefonieren, als absolut übergriffig und habe heute auch mal meine Ellenbogen ausgefahren, was zu Irritation führte , da ich ja gar keine Zeitung in der Hand hatte. Und schon aus Gnatz (das ist das thüringische Wort für unwirsch, bockig, widerborstig) habe ich meinen Ellenbogen da gelassen, was nach 55 Minuten Flugzeit ganz schön anstrengend war…
Nun denn, nun bin ich schon in Frankfurt und habe 4 Stunden Aufenthalt. Ich habe ein schönes Plätzchen gefunden, sitze in einem kleinen Airport Restaurant und freue mich auf baldige Weiterreise. Selbstverständlich werde ich berichten.








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