Cadiz, 21.2.2025
- ulibrosch

- 22. Feb. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Zuerst einmal muss ich noch einen Nachtrag berichten. Beim Spaziergang durch die Altstadt von Jerez de la Frontera stand ich plötzlich vor einer geöffneten Tür, in die man kaum eintreten konnte, weil sie nahezu vollständig von Büchern ausgefüllt war. Vor der Tür stand eine Art vollbärtiger Wikinger mit Nickelbrille, der gerade in eine Unterhaltung mit einem anderen Mann vertieft war. Als er sah, dass ich neugierig in die Tür lugte, lud er mich ein, seinen Buchladen zu besuchen. Also so etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen! Vom Fußboden bis zur Decke stapelten sich Bücher. Alle deckenhohen Regale waren vollgestopft mit Literatur. Zwischen den Regalen waren nur noch schmale Gänge entlang von der Bücherstapel zum umherlaufen übrig. Der Literaten-Wikinger erklärte mir dann in einem Mix aus gebrochenem Englisch und Spanisch, er verfüge in seinem Laden über eine halbe Millionen Bücher und 11 Geister. Ah, ja Geister natürlich…. Das mutete mir dann doch etwas gruselig an, aber er erklärte sodann, dass bereits mehrfach internationale Geisterjäger in seinem Laden mit diversen Geister-Meß-Gerätschaften zugange waren, um diese Buchladengeister zu film-vermessen. Sie haben aber nur 3 gefunden…Irgendwann musste ich ob der Enge und der Papierflut aus dem Labyrinth raus, welches mir nach einer Weile wie die moderne Version der Bibliothek aus „Der Name der Rose“ vorkam und ich nicht wie einer der dortigen Mönche enden wollte. Nach einem herzlichen Abschied und Dank für die kostenlose Besichtigung betrat ich mit einem tiefen Atemzug nicht papiergeschwängerter frischer Luft das Licht der sonnige Straße.
Ich habe dann noch den hiesigen Alcazar, einen wunderbaren Palast besichtigt. Die Anlage ist eine Mischung aus maurisch-spanischer Architektur. Es gibt einen Hauptpalast, eine wunderbare Gartenanlage mit mehreren kleinen Brunnen, ein arabisches Bad und ein Wasserspeicher zu besichtigen. Innerhalb der Palastmauern stehen viele schattenspendenden Palmen, und es lässt sich wunderbar herumschlendern. Irgendwie schien der frühere Eigentümer ein Fabel für Pharmazie zu haben, denn im zweiten Stock des Palastes befindet sich eine altertümliche, sehr gut ausgestattete Apotheke mit unzähligen lateinisch oder griechisch beschrifteten Gefäßen und altertümlichen Erlenmeyerkolben und Waagen.
Von Jerez hieß es dann Abschied nehmen, denn die Reise sollte weiter gehen nach Cadiz an der Atlantikküste. Cadiz wurde bereits 1100 v. Chr. gegründet und gilt als die älteste ununterbrochen bewohnte Siedlung Europas. Das Zentrum ist fast vollständig von Wasser umgeben und war früher eine eigene Insel. Über eine ziemlich futuristische riesige Brücke fährt man auf diese Insel und landet fast nahtlos in der hiesigen Altstadt, die man sehr gut zu Fuß erkunden kann. Es gibt überall grüne Parks mit riesigen Gummi- und Drachenbäumen und palmengesäumte Straßen. Eine Art Uferpromenade zieht sich um die Altstadt und an mehrere Stränden kann man sich dem Müßiggang wunderbar hingeben. Ich wohne wie immer im Stadtzentrum in einer klitzekleinen Gasse. Wenn ich morgens noch vom Schlaf zerknittert aus dem Fenster sehe und die Arme weit ausstrecke, kann ich wahrscheinlich meinen Nachbarn gegenüber die Hand reichen. In der Nacht sind diese Gassen mit altertümlichen Lampen beleuchtet und man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt.
Natürlich musste ich auch hier als erstes die große Kathedrale besichtigen. Gleich früh am Morgen war ich vor Ort und eine der ersten Besucherinnen. Ich liebe diese frühen Stunden, wenn die Stadt langsam erwacht, kaum jemand unterwegs ist und man so riesige Sehenswürdigkeiten für sich alleine hat. Ich bin natürlich auch wieder auf den Glockenturm gekraxelt. Das letzte Stück der Besteigung ist nichts für schwache Nerven, denn man muss sich entlang einer sehr, sehr schmalen Wendeltreppe nach oben winden. Einmal oben angekommen, wird man jedoch mit einem wunderbaren Blick über die gesamte Insel belohnt. Danach ging es ganz nach unten in die Krypta der Kathedrale, wo viele berühmte Väter dieser Stadt begraben sind. Die Treppe nach unten hat man aus Travertin gefertigt, was mich an die Travertin-Terrasse des Hauses meiner Großeltern in Thüringen erinnerte. Auch der Swimmingpool war leider aus Travertin, den ich mit meiner Schwester mehrfach im Sommer mit dem DDR typischen ATA Scheuermittel mit einer Wurzelbürste putzen musste, da Travertin -auch im polierten Zustand -ein eher poröser Naturstein ist, der sich weniger für Dauer- Wasser- Gebrauch eignet.
Es sind zusätzlich zu den Grabstellen eine Menge sehr alte Holzschnitzereien ausgestellt, wobei alle Engel züchtig mit weißen Leinentüchern bedeckt wurden.
Den Rest des Tages habe ich mit rumschlendern und Einkehr in verschiedene kleine Tapasbars verbracht. Ich werde selbstverständlich berichten, wie es weiter geht.














































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