Koskinou,13.9.2025
- ulibrosch

- 13. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wo bin ich eigentlich? Ich bin in Koskinou, einem kleinen Dorf südlich von Rhodos Stadt.
Rhodos selbst ist die größte Insel der Dodekanes, einer Inselgruppe in der östlichen Ägäis und hat wirklich viel zu bieten, abseits des Klischees der weiß-blau getünchten Häuser und des Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder. Dieser war dem Gott Helios gewidmet und wurde knapp 300 v.Ch. mit seinen dreißig Metern Höhe breitbeinig über der Hafeneinfahrt der Stadt aufgestellt. Obwohl er aus Bronze gefertigt war, stand der da nicht sehr lange und fiel bei einem Erdbeben um, oder knickte in den Knien ein. Er war das Weltwunder, was am kürzesten existierte, nur 66 Jahre. Die Araber, die die Insel um 600 n. Ch. besetzten, sammelten das Metall ein und verschifften es wohl den Orient. Recycling ist also nix Neues.
Rhodos wurde von vielen Völkern besetzt und überall finden sich Spuren davon. Die Perser waren da, Rhodos war dem römischen Reich angegliedert und viele römische Aristokratenkinder studierten hier. Mehrfach wurde die Insel geplündert, von den Syrern, Kopten und den Italienern. Mit den Kreuzzügen wurde Rhodos zu Italien gezählt. Die Johanniter bauten und befestigten Rhodos Stadt und errichteten im Süden mehrere auf steilen Felsen thronende Burgen, bevor die Osmanen um 1500 die Insel einnahmen und bis 1912 behielten. Danach waren erneut die Italiener hier und 1943 besetzte die deutsche Wehrmacht Rhodos und baute zahlreiche Befestigungsanlagen und Bunker an der Ostküste. Erst 1947 wurde die Insel an das Königreich Griechenland angeschlossen.
Man findet überall auf der Insel Überreste dieser vielen verschiedenen Herrschaften, so dass man, auch wenn man schon mehrfach hier war, immer wieder Neues entdecken kann. Die Altstadt von Rhodos Stadt ist mit ihrer von den Kreuzrittern erbauten Festungsanlage, dem Großmeisterpalast, der Ritterstraße und den zahlreichen Kirchen und Moscheen mittlerweile Weltkulturerbe und wirklich sehenswert, vor Allem am Abend, wenn die Touristenströme abebben und die überall an den alten Mauern angebrachten Laternen die Gassen in ein heimeliges altertümliches Licht tauchen.
2016, als ich hier zeitweise gearbeitet und gelebt habe, wohnte ich in einem historischen, ziemlich unrenovierten alten Haus in mitten einer dieser Altstadtgassen. Im Sommer war das allerdings nur mit hözernen Fensterläden und ohne Klimaanlage fast nicht aushaltbar. Jetzt wohne ich immer in einem kleinen Dörfchen, südlich der Inselhauptstadt. Ganz ruhig und gänzlich untouristisch ist es hier. Es gibt auch eine kleine Altstadt, mit wenigen urigen Tavernen, in welchen gute griechische Hausmannskost serviert wird, und die frei von Instagramm Posern und Food Bloggern ist. Die Opis und Omis sitzen am Abend, wenn die Hitze nicht mehr so arg ist, auf Stühlen vorm Haus reden lautstark und freuen sich über ein „Jassas“ was soviel wie Hallo, aber auch Tschüß und eigentlich aber Gesundheit heißt. Hier im Dorf wohne ich in einer kleinen familiengeführten Appartementanlage mit Garten. Es weht immer ein Windchen hier oben und das ist bei gerade knapp 36° herrlich. Leonidas, oder klein Leo, der Hund der Besitzer schläft immer in meinem Zimmer auf „seinem“ Kissen nachdem er ein kleines Hundeleckerchen bekommen hat.
Natürlich bin ich auch zum Tauchen hier. Das Mittelmeer ist diesbezüglich sicher nicht so spektakulär, wie andere Spots, aber das Wasser ist grad noch 27 Grad warm und für schönes“Landschaftstauchen“ reicht es allemal. Da ich ja hier für die älteste angesessenen Tauchschule gearbeitet habe, kenne ich alle Spots und darf immer noch nach fast 10 Jahren umsonst tauchen. Morgen geht es weit in den Süden nach Plimiri, wo ein großes Wrack zu betauchen ist. Es gibt dort eine ganz kleine Taverene, wo immer Oktopusse zum Trocken auf der Wäscheleine hängen, deren Arme auf dem Holzkohlegrill frisch gegrillt und simpel nur mit Petersilie und einem großen Stück Zitrone serviert werden.
Selbstverständlich werde ich weiter berichten.
















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