Rhodos,09.9.2025
- ulibrosch

- 10. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Sept. 2025

Ich bin wieder on the road ! Herrlich. Irgendwie gab es Probleme mit meiner website, so dass meine lieben Abonnenten kein „Ping“ mehr bekamen, wenn ich etwas veröffentlicht habe. Nun sollte es aber wieder funktionieren… so sagt mein Administrator. Wir werden sehen…
Wie immer sitze ich am BER viel zu früh- „Icke bin seet fünfen uff de Beene“, eigentlich schon seit um drei !
Aber ich habs mir in meinem Lieblingslokal gemütlich gemacht bei Brezel und Prosecco, getreu nach meinem Motto „her mit dem schönen Leben“.
Hinter mir sitzt eine 16 köpfige Gruppe Männer, offenbar ein Junggesellenabschied, alle schon halb besoffen und mit Vokuhila Perücken bestückt. Ihrem Gegröle zu urteilen gehts nach Malle, na dann mal Prost !
Ich fliege nach Rhodos. Die schöne griechische Insel, auf welcher ich schon tausendmal war und auch gearbeitet habe. Es ist noch schön warm dort und tauchen kann ich auch, was will ich mehr Meer.
Irgendwie hat man hier die Frühstückskarte geändert. Früher gabs mal lecker Hackepeter mit roten Zwiebeln und Gewürzgürkchen. Heute gibts Avocado Bagel mit Sprossen … das find ich doof.
Ich kann da ja nix dafür, ich bin so fleischlastig sozialisiert. Zum einen bin ich ja im Osten groß geworden. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass es da Vegetarier gab. Vielleicht waren die auch nur nicht in unserem familiären Umfeld. Denn zum anderen stamme ich aus einer Fleischersfamilie und eine solche ist für Vegetarier sicher nicht die bevorzugte Zielgruppe, eher der Antichrist.
Als Kind habe ich nur Wurst und Fleisch gegessen, keine Nudeln, keine Eierteigwaren, keinen Käse, keine weichen Eier in jeglich erdenklicher Zubereitungsform, kein Mischgemüse (für die Westler: das ist Möhren- und Erbsengemüse gemischt), keinen Spinat, keine Graupen…
Heute wäre ich damit sicher als Komplexkind auf meiner eigenen Station in der Klinik gelandet als sog. Picky eater. Fleisch war mein Gemüse ! Und das in allen Formen. Es gab immer Fleisch, denn wir saßen ja direkt an der Quelle mit der Fleischerei meiner Großeltern. An Gemüse hab ich nur Omas Rotkraut, Erbsen mono und Spargel (aus Omis Garten) gemocht. Früchte waren auch nicht so meins, bis auf Kirschen, von welchen ich immer Durchfall bekomme. Das muss eine Fruktoseintoleranz sein ! Endlich eine ordentliche Diagnose und voll im Trend !
Als Kind habe ich unsere Fleischerei geliebt. Dieses Gebäude in der Sömmerdaer Altstadt mit dem Hof und den Nebengebäuden, in denen Schweine und Rinder verwurstet wurden. Es waren mehrere Fleischer und Fleischersgesellen angestellt, die emsig über den Hof wuselten. Alle trugen lange, leicht gelbliche, gummierte Schürzen, riesige schwarze Gummistiefel, fesche Mützen und die sogenannten Fleischerhemden. Weiße Hemden, innen kuschlig angerauht und mit dezenten dünnen Nadelstreifen durchsetzt. Diese Hemden avancierten später in meiner Jugend zu einer Art Trendkleidungsstück unter den sogenannten „Bluesern“. Laut meinem Opi war das langlodige(=langhaarige) Gesockse (Gesindel), was nur rumhing und Beatmusik hörte. Dabei hörten die doch Blues, daher ja auch der Name.
Da gab es den freundlichen “Mäuschen“, der irgendwie mächtig schielte und uns Fleischerenkelinnen immer lustig zuzwinkerte. Und einen mir damals wie ein Riese vorkommenden Gesellen, Deddie, vor dem ich immer Angst hatte, da er nur in sich reingrummelte und mit uns Kindern nie wirklich sprach.
Ich habe es geliebt, oben in der Luke des Gewürzbodens zu sitzen, die Beine baumeln zu lassen und zu beobachten, was da unter mir so vor sich ging. Wie diese großen beschürtzten Männer die Lastkraftwagen aus dem Fleischhof Erfurt entluden, eine Reihe nackiger Rinder- und Schweinehälften, die im Gänsemarsch auf den Schultern der Fleischer über den Hof zum aufhängen an großen Metallhaken getragen wurden. Die Hälften wurden dann mit geschmeidigen Handbewegungen und sehr sehr scharfen Messen, die gekonnt am Stahl zum schärfen gewetzt wurden, in Einzelteile zur Weiterverarbeitung zerlegt. Das war echtes Handwerk.
Und die Wurstmaschine erst: mit welcher Geschwindigkeit der aufgefädelte Darm mit dem Wurstbrät gefüllt und dann per Hand zu Würstchen gedreht wurde. Wenn Mäuschen die frischen caramellfarbenen warmen Wiener aus dem Rauch schob und uns Mädels je ein frisch geräuchertes Würstchen zusteckte, war meine Welt in Ordnung.
Meine Omi stand dabei in ihrer Dederonkittelschürze im Laden an der Theke hinter ihrer Stammwaage. Das waren noch echte Waagen mit Zeiger. Keine Digitalroboter, die die aufgelegte Wurst erkennen und auch gleich einen Preis ausspucken. Damals musste man noch Dreisatz rechnen können. Ein speckiger Bleistift steckte immer hinter dem Ohr meiner Omi, die während des Wiegens schon den Preis für das Pfund Aufschnitt ausrechnete und auf den kleinen schmalen Schreibblock neben der Waage notierte. Zwischendurch hackte sie mit dem riesigen Fleischerbeil in der linken Hand und Ihrer Brille vorn auf der Nasenspitze auf dem großen hölzernen Hackeklotz in der Ecke noch schnell drei dicke frische Schweinekottletts auseinander. An der Wand hinter Ihr hingen an Haken Knackwürste und Blutwurst in Blasen. Der Laden war immer voll, es roch nach Bierschinken und ich war gern dort. Und wenn ich heute in eine familiengeführte Fleischerei komme und diesen Duft rieche, schwelge ich in Erinnerungen an die guten thüringischen Wurstwaren und meine Großeltern, die nahezu ihr ganzes Leben in dieser Fleischerei verbrachten.
Trotz meiner kindlichen Milchprodukt- und weitestgehenden Gemüseabstinenz bin ich ohne Vitaminmangel groß und stark geworden und habe meine Vorliebe für Herzhaftes behalten.
Avocado esse ich aber trotzdem gern und Nudeln und Käse haben es mittlerweile auch in mein Speiserepertoire geschafft.
Da es aber heute keinen Hackepeter am BER gibt, habe ich mich mit einer schnöden bayrischen Brezel begnügt. Bald geht es los und ich freue mich schon auf leckeres Gyros und Souvlaki.
Selbstverständlich werde ich berichten.










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