Westpuunt, 27.05.2023
- ulibrosch

- 29. Mai 2023
- 4 Min. Lesezeit
Nun bin ich hier ! Am nördlichsten Ende von Curacao in meinem urigen Apartment mit Hängematte auf der Terrasse und Blick aufs Meer. 25 Meter sind es bis zur Tauchbasis und dem wunderschönen Playa Kalki.
Aber von vorn….
Nachdem in Berlin alle in den voll ausgebuchten Flieger nach Amsterdam gestiegen waren, ging es…NICHT los ! Zunächst gab es gar keine Informationen, dann hieß es, man müsse noch Papiere ausfüllen und als dies dann wohl erledigt war, hatten wir unseren Starterlaubnisslot verbummelt. Das Ganze hat geschlagene 80 Minuten gedauert. Ich hatte ja zunächst auf die Freunde des gepflegten Anklebens getippt, aber die waren es scheinbar nicht. Es ist natürlich ganz ungewöhnlich und sicher neu in der Branche, dass, nachdem alle Passagiere eingestiegen sind, im Zeitalter der viel umworbenen Digitalisierung in Deutschland Papiere per Hand ausgefüllt werden müssen. Ich war nicht die Einzige im Flugzeug, die einen Anschlußflieger in Amsterdam bekommen musste und jeder, der schon mal dort umgestiegen ist, weiß, wie riesig dieser Airport im Gegensatz zu unserem Berliner Feldversuchsflughafen ist. Als wir dann endlich in der Luft und in Amsterdam gelandet waren, durften wir nicht auf unserer vorgesehenen Parkposition einparken, da wir unsere Ankunftszeit ja verbummelt hatten. Also nochmals auf der Landebahn- eher abseits davon- auf eine Parklücke warten. Mittlerweile war die Stimmung im Fluggerät in unterschwellige Aggressivität umgeschlagen, da der Kapitän verlesen hatte, wer nicht mehr zum nächsten Gate rennen muss, da der Anschlußflug bereits verpasst sei. Mein Anschußflug wurde nicht verlesen, also wappnete ich mich nach dem Einparken auf eine Lauf durch den Airport. Jeder, der mich gut kennt weiß aber, dass ich die Strecke lieber schwimmend zurücklegen würde, denn Rennen ist so gar nicht meine Stärke. Jede Weinebergschnecke rennt schneller als ich ! Ich hatte 40 Minuten, um zum Gate zu kommen. Da ich jedoch Europa von hier verlasse, musste ich nochmals durch die Passkontrolle. Mit hochrotem Kopf und völlig aus der Puste gelangte ich zu einer ziemlich großen Schlange an der Passkontrolle. Zum Glück war die Dame, die die Leute auf die verschiedenen Warteschlangen aufteilt, blickig und zerrte mich Unfähige auch nur einen Pieps von mir zugegeben mit meiner vorgehaltenen Bordkarte zur Priority Schlage und dort auch noch direkt vor den Schalter. „Ah, sie wollen nach Curaçao, wie schön!“ kommentierte der Uniformierte und ließ mich fix passieren. Das ging dann so schnell, dass ich gefühlt gar keine Zeit zur Regeneration für den finalen Run zum Gate hatte. Lange Rede, ich war die Letzte die ins Fluggerät stieg ! Und zum Glück war der Sitz neben mir frei !!! Herrlich.
Der Flug war dann trotz 9 Stunden Dauer ganz kurzweilig und ob des freien Nebensitzes auch gar nicht so beengt.
An dem kleinen Curacao Flughafen ging dann alles ganz fix. Mit einem europäischem Pass und online ausgefüllter und auf dem Handy vorzeigbarer Einreisekarte dauerte die Abfertigung ca 10 Minuten. Hier muss also niemand händisch Papiere ausfüllen, dachte ich an Berlin zurück. Als ich in die kleine Ankunftshalle kam, war mein Gepäck schon auf dem Band. Man beachte, die Insel ist wenig größer als Rügen ! Mir war nicht klar, wie effizient die Karibik ist.
Ich hab dann meinen kleinen Mietwagen abgeholt und bin mal losgefahren. Meine Vermieter hatten mir vorab mitgeteilt, dass, wenn ich angekommen bin, kein Restaurant mehr aufhaben wird und ich mir doch in so einem kleinen Supermarkt auf dem Weg schnell was mitnehmen soll. Das hab ich dann auch getan. Nach etwas suchen fand ich in einem Dörfchen an der Straße einen Dorfkonsum, der noch geöffnet hatte. Mhhh, ein Fläschen Wein wäre vielleicht nicht schlecht, dachte ich und suchte im Konsum. Leider nix da. Also fragte ich an der Kasse nach, wo man mir freundlich mitteilte, ich müsse zum „Likker“- Store ?????? Was soll das denn bitte sein? Ein Eigenname des Besitzers ? Ich hab noch mehrfach gefragt, aber das Wort änderte sich nicht, also hab ich versucht, mir erklären zu lassen, wo den der besagte Shop sei. Aha, gleich nebenan.
Als ich dann davor stand, hab ich auch begriffen, was gemeint war. Der Likör- Laden ! Na klar ! Vielleicht hatte ich noch Unterdruck vom Fliegen auf den Ohren.
Jeder, der schon mal in ähnlichen Ländern war, weiß, dass es sich dabei meist gar nicht um einen Laden, sondern einen voll vergitterten Hochsicherheitskiosk mit kleiner Luke zum bezahlen und durchreichen der Alkoholika handelt. Magnum Flaschen passen da sicher nicht durch. So richtig konnte ich auch nicht erkennen, was es denn weintechnisch im Angebot gab. Also fragte ich einfach nach Weißwein. Da werde ich doch tatsächlich nach dem Ausweis gefragt ! Ich hätte vor lachen fast nicht weitersprechen können. So gut kann meine Gesichtscreme gar nicht sein, daß ich mit 55 beim Kauf einer schnöden Flasche Wein nach dem Ausweis gefragt werde. Vielleicht war der Lehrling am Schalter, der sich strikt an die Regeln halten muss, da der Besitzer hinter dem Weinregal hockt und guckt, ob sein Azubi alles richtig macht. Nun denn, hab ich also artig meinen Pass durch die Luke gereicht, gehofft, der Azubi kann auch rechnen und meinen Wein, wie zu Prohibitionszeiten in eine Papiertüte eingewickelt, entgegengenommen.
Der Rest der Fahrt ganz in den Norden verlief dann gänzlich unaufgeregt. Dank Navi im Handy hab ich meine kleine Apartementanlage gefunden und konnte mein mit Dachterrasse und Hängematte bestücktes zu Hause beziehen. Ich hab dann wie ein Stein geschlafen und am Morgen festgestellt, dass mein geliebtes Meer ganz nah und der Strand hier einfach wunderbar ist. Morgen gehts dann das erste Mal raus zum Tauchen. Natürlich werde ich berichten.


















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